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Autor Thema: Die obere Kochertalbahn  (Gelesen 1032 mal)
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Pax vobiscum...

Profil anzeigen Heimatgeschichte in Aalen und Umgebung
« am: Februar 09, 2011, 01:46:17 »

Aus der Geschichte der oberen Kochertalbahn

Nachdem der Eisenbahnbau Mitte des 19. Jh. so richtig ins Rollen kam, war der Wunsch vieler Gemeinden und Städte, an das Eisenbahnnetz angeschlossen zu werden, verständlicher Weise groß. Wenn auch Abtsgmünd bis heute keinen Anschluss an dieses Netz nachweisen kann, so kann man doch von einer Abtsgmünder Eisenbahngeschichte sprechen, die sogar bis in die ersten Jahrzehnte der württembergischen Eisenbahngeschichte zurückreicht. Es war weniger die geografische Lage, die einen Anschluss verhindert hat, als vielmehr die Tatsache, dass Abtsgmünd und sein unmittelbares Hinterland in der ersten Zeit der württembergischen Eisenbahn lagemäßig nicht unbedingt in das Konzept der Planer passte und spätere konkrete Planvorhaben durch äußere Umstände kurz vor dem Ziel vereitelt wurden.

Bereits im Jahr 1845 leitete Schultheiß Johann Georg Seidel eine Unterschriftenaktion für den Eisenbahnanschluss seiner Gemeinde in die Wege, die er zu Beginn der 1860er Jahre, nach Verabschiedung des Eisenbahngesetzes vom 17. November 1858, wiederholte. Dies geschah im Zusammenhang mit den Agitationen für eine Bahnverbindung Hall-Wasseralfingen, die vor allem von Kreisen der Städte Schwäbisch Hall, Gaildorf und mehrerer Kochertalgemeinden ausging, im Verein mit den Nachbargemeinden. Aus dieser Zeit datiert eine Denkschrift des Eisenbahnkomitees in Gaildorf mit dem Titel Das Württ. Eisenbahnsystem und die Berechtigung einer Kocherbahn. Doch wurden die Eisenbahnpläne für das Kochertal leider zugunsten der Oberen Jagstbahn von Goldshöfe über Ellwangen nach Crailsheim aufgegeben. Dies bedeutete jedoch nicht, dass die Stimmen, die den Eisenbahnanschluss des Kochertals forderten, verstummten.

Nachdem in den frühen 1890er Jahren das Hauptbahnnetz der Staatseisenbahn seiner Vollendung entgegenging und im Lande der Bau von „Bahnen zweiter Ordnung“, so genannter Sekundär- oder Nebenbahnen eingeleitet wurde, keimten auch in Abtsgmünd wieder berechtigte Hoffnung auf, den Anschluss doch noch zu schaffen. Zunächst blieb man hier in abwartender Haltung; als jedoch Pläne für eine schmalspurige private Nebenbahn (mit 750 mm Spurweite) von Gaildorf nach Untergröningen auftauchten, griffen Abtsgmünder Interessenten die Anregung auf. Am 18. Januar 1897 fand im Gasthaus „Zum Lamm“ in Untergröningen eine Versammlung zu dem Thema Eisenbahn statt. Hier einigte man sich darauf, eine schmalspurige Bahnverbindung zwischen Wasseralfingen und Gaildorf zu beantragen. Das Kochertalbahnkomitee beauftragte den Regierungsbaumeister mit der Ausarbeitung genauer Planunterlagen und reichte dazu parallel eine ehrerbietigste Bitte um Erbauung einer schmalspurigen Nebenbahn an die Ständeversammlung Stuttgart ein.

Am 30. September 1903 wurde die von der Württembergischen Eisenbahngesellschaft (WEG) eingerichtete Nebenbahn von Gaildorf nach Untergröningen in Betrieb genommen. Die vorläufige Endstation Untergröningen war so angelegt, dass eine mögliche Weiterführung der Bahn kocheraufwärts in Richtung Abtsgmünd möglich war.
Die Amtsversammlung des Bezirks empfahl am 11. August 1905 den Abgeordneten in Stuttgart die dringende Erachtung der Fortsetzung der Bahn Gaildorf – Untergröningen – Abtsgmünd - Aalen. Auch reichte die Gemeinde Abtsgmünd im Jahr 1908 die Bitte...um möglichst baldige Erbauung einer normalspurigen Stichbahn Aalen – Abtsgmünd ein. Der Bau wurde damals aus vielerlei Gründen nicht durchgeführt und mit beginn des Ersten Weltkriegs war die Zeit des Eisenbahnbaus in diesem Raum einfach vorbei und eine große Chance war damit vertan.

1918 flackerte die Hoffnung auf einen Weiterbau der Eisenbahn noch einmal kurz auf, als in der Abgeordnetenkammer am 21. Juni von Abtsgmünd die Rede war. Doch auch diese Beratungen führten zu keinem positiven Ergebnis.

Die Gemeinde Abtsgmünd hat sich nochmals im Jahre 1946 um einen Weiterbau bemüht, jedoch war den Herren in Stuttgart Abtsgmünd "zu sehr Hinterland", als dass man da Geld hätte investieren wollen.

Reichlich spät ist Abtsgmünd durch die Eingemeindung von
Untergröningen im Jahr 1971 doch noch in den Genuss eines
Eisenbahnanschlusses gekommen.

Am 16. April 2004 wurde die Strecke ab dem Streckenkilometer 15 wegen maroder Schwellen gesperrt. Am 17. Oktober 2005 stellte die WEG den vollständigen Betrieb wegen technischer Mängel ein. Im Januar 2009 wurde mit dem Abbau der Schienen begonnen.


http://www.abtsgmuend.de/data/gemeindeAktuell.php?id=120945




Hier noch ein paar Erlebnisse und weitere Infos von Pfifferhannes:


In die Zeit um die Eröffnung fällt auch ein Großbrand in Untergröningen, bei dem mehrere Häuser in der "Zufahrt" zum Bahnhof abgebrannt sind. Diese wurden in der selben Backsteinoptik, wie der Bahnhof und der Lokschuppen neu erbaut.

Erst mit der Gemeindereform in 1971 und der Eingemeindung von Untergröningen kam Abtsgmünd dann zu einem Bahnhof.

Aber auch das hat - zumindest in der Anfangszeit - noch zu Problemen geführt.

"Leidtragende" waren auch meine Familie und ich. Meine Mutter und
Großmutter hatten in Untergröningen ein Lebensmittelgeschäft und hin
und wieder kam auch mal etwas Bestelltes per Bahnfracht. Bis zur
Eingemeindung war das alles in Ordnung.

Nach 1971 war aus 7165 Untergröningen dann plötzlich 7083 Abtsmgünd 2 geworden.

Der Hausbahnhof von Abtsgmünd war aber Goldshöfe und so mussten wir mehr als einmal die 20 km dort hin fahren, statt die Ware beim (in Sichtweite) liegenden Bahnhof in Untergröningen abholen zu können.

Die Untergröninger rächen sich aber heute noch:
Wenn jetzt die ganzen Mautpreller-LKW Adressen in 73453 Abtsgmünd anfahren und dann erklärt bekommen, dass sich die gesuchte Adresse im 12 km entfernten Teilort Untergröningen befindet...

Ich bin auch als Schüler mehrere Jahre täglich von Untergröningen nach Gaildorf in die Schule gefahren. Fahrtzeit ca. 45 min (das lässt Rückschlüsse auf die erreichte Geschwindigkeit zu). Das Nachholen der Hausaufgaben morgens im Zug erforderte wegen des Ruckelns schon sehr viel Übung".

Der Bruder meines Vaters war Streckenkontrolleur und ist die Strecke regelmäßig zu Fuss abgegangen.

Aufgrund von Streckenschäden wurde der Personenverkehr 2001 auf Busersatzverkehr umgestellt.

Im April 2004 wurde die Strecke wegen baulicher Mängel dann auch für den Güterverkehr (am Schluss in der Hauptsache Holz-Hackschnitzel)gesperrt.

Seit Oktober 2005 ruht der Betrieb auf der Linie. Im Januar 2009 wurde mit dem Abbau der Schienen begonnen.

Ein privater Betreiber hat jetzt den Antrag auf einen Draisinenverkehr zwischen Laufen und kurz vor Untergröningen gestellt.

Die Bahn trug übrigens den Spitznamen "Klepperle" oder "Entenmörder".

-Pfifferhannes-



Ich hab noch eine Karte und ein paar Bilder angehängt.
Die letzten Bilder zeigen die Eisenbahnbrücke bei Abtsgmünd (in der nähe des Klärwerks) über die jedoch nie ein Zug gerollt ist.


* karte_kochertalbahn_obere_104.jpg (24.32 KB, 400x400 - angeschaut 204 Mal.)

* forchtenberg_letzter_schienenbus_500_x_300_121.jpg (28.49 KB, 451x300 - angeschaut 203 Mal.)

* kochertalbahn3_273.jpg (58.75 KB, 600x450 - angeschaut 203 Mal.)

* kochertalbahn1_129.jpg (40.03 KB, 600x450 - angeschaut 201 Mal.)
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Pfifferhannes
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« Antwort #1 am: Februar 09, 2011, 01:50:16 »

Bahnhof Untergröningen 31.05.2009.
Die Natur holt sich so langsam alles wieder zurück.

Eisenbahnbrücke Untergröningen

Das ist die letzte wirkliche Eisenbahnbrücke der Kochertalbahn direkt vor dem Endbahnhof in Untergröningen.

Mein Vater hat erzählt, dass sie als Kinder auf den Bogen der Brücke gestiegen sind und von dort aus in den Kocher gesprungen sind.
Das würde heute wahrscheinlich auch keiner mehr machen.


* bahnhof_untergroeningen_146.jpg (98.6 KB, 612x459 - angeschaut 235 Mal.)

* bruecke01_183.jpg (55.32 KB, 448x336 - angeschaut 226 Mal.)
« Letzte Änderung: Februar 09, 2011, 01:55:04 von Pfifferhannes » Gespeichert
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