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Autor Thema: Aalwirtshaus  (Gelesen 738 mal)
Ritter Katz
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Die Ostalb ist schön.

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« am: Oktober 19, 2011, 10:44:26 »


Hallo :D

hier ein Bericht und Bild aus der Schwäpo vom 17/10/2011 von Erwin Hafner

Das bis zuletzt legendäre „Aalwirtshaus“ stand zwar weit außerhalb der Stadt, lag jedoch trotzdem auf der Gemarkung Aalen, so dass die Geschichte und die Geschichten dieses von der Bildfläche verschwundenen Hauses in der ganz auf die Wirtshäuser der Kernstadt beschränkten Serie keinen „Ausreißer“ darstellt.


Aalen. Wenn vor Eröffnung der Remsbahn die Frachtfuhrwerke unter viel „Hü und Hot“ die Wasserscheide zwischen Rems und Kocher beim „Blümle“ in Essingen überwunden hatten, lag vor ihnen im weiten Sauerbachtal als letztes Zwischenziel vor Aalen die Gebäudegruppe des Lauchhofs und Aalwirtshauses an der viel befahrenen Landstraße.
Einst galt das Aalwirtshaus den Aalenern als beliebtes Nahziel für sonntägliche Spaziergänge. Der Aal am Türsturz des Gebäudes und die Anmerkung in Hermann Bauers „Geschichte und Beschreibung der ehemaligen freien Reichsstadt Aalen“, dass das Aalwirthaus 1788 erbaut worden sei, „dem Freiherrlich von Woellwart’schen sogenannten Bettelwirtshause“ zum Trotz. Mit dem Bettelwirtshaus war das Woellwarth’sche Hofherrn-Wirthaus gemeint, das nahebei im Bereich der heutigen Stadtgärtnerei lag.

Die Wirtin hatte ein Verhältnis
Der verstorbene Kreisarchivar Bernhard Hildebrand wies anhand der Ratsprotokolle nach, dass sich Hermann Bauer geirrt hatte. Das Aalwirtshaus war nicht 1788, sondern schon 1784 gebaut worden und zwar von dem Maurer Melchior Hörner, den der Rat der Stadt damit beauftragt hatte. Der erste Pächter war Johann Daniel Betzler. Als Wirtin glaubte dieser mit der Zeugmachers-Pflegetochter Katharina Hepp die richtige gefunden zu haben. Aber das Eheglück war nur von kurzer Dauer. Die Heppin hatte nämlich ein Verhältnis mit ihrem Pfleger, dem Schwanenwirt Martin Krafft. Überdies mischte sich die Schwanenwirtin laufend in den Hausstand ihrer Pflegetochter ein. Der Aalwirt Betzler klagte vor dem Rat gegen die Schwanenwirtin. Darauf verbot der Rat weiteres Einmischen in die Belange der Wirtsleute. An der Ehe gab es jedoch nichts mehr zu reparieren: Der Rat stimmte einer Scheidung zu – ein Vierteljahr nach der Eheschließung.
Am 15. September 1785 zeigte Katharina Hepp dem Rat jedoch ihre Schwangerschaft an, der verfügte, dass Betzler keine Mobilien der Heppin „bis zum Austrag der Hepp“ veräußern dürfe. Nachdem das Kind zur Welt gekommen war, erklärte Betzler, er habe vor der Hochzeit mit der Heppin nichts zu tun gehabt. Die Heppin gab danach ihren Pflegevater, den Schwanenwirt Krafft als Kindsvater an. Und als dieser geständig war, musste er eine sogenannte Adulterienstrafe bezahlen und die Heppin wurde wegen Ehebruchs gleichfalls mit einer Geldbuße belegt.
Aalwirt Betzler konnte wieder auf Brautschau gehen. Seine „Neue“ wurde Margareta Barbara Engelhard, verwitwete Wirtin in Mönchsdeggingen.
1886 erwarb dann Johann Adam Feldmeyer das Aalwirtshaus und gliederte 1899 dem Lokal eine Gartenwirtschaft an. 1920 übernahm Sohn Karl das Anwesen und 40 Jahre später, 1960 Sohn Fritz.

Alle Proteste liefen ins Leere
1977 begann im Aalwirtshaus eine spektakuläre Ära, die in der Bevölkerung hohe Wellen schlug. Fritz Feldmeyer verpachtete das Aalwirtshaus an einen Gastronomen, der seine Erfahrungen im Rotlichtmilieu in München, Frankfurt und andern Städten in Aalen nutzbar machte. 1978 eröffnete er den „Club 69“. Besonders aus der Nachbarschaft in Hofherrnweiler und Unterrombach hagelte es Proteste. Die Kirchengemeinden beider Konfessionen wehrten sich sowohl gegen das Striptease-Lokal im „White Horse“ (früheres „Rössle“ in Unterrombach) und die Umwandlung des Aalwirtshauses in ein Freudenhaus. Doch die Stadt hatte keine gesetzliche Handhabe, solche Lokale zu verbieten.
Sieben Jahre lang machte der Puff immer wieder Schlagzeilen. Es gab Verstöße gegen die Meldepflicht der Damen, einer der nachfolgenden Pächter erhängte sich und einer suchte nach einer Inspektion seines Porsche ohne zu zahlen das Weite und war für die Polizei unauffindbar. 1985 sorgte dann ein (nicht aufgeklärter) Brand für die Betriebsaufgabe. Doch der Abbruch des Aalwirtshauses war ohnehin längst beschlossen. Das Anwesen musste der Westumgehung weichen. 1988 wurde das ehemalige Aalwirtshaus abgebrochen.
Dies war der letzte Beitrag in der Wirtshaus-Serie der SchwäPo. Die gesammelten Berichte kommen zu Weihnachten in Form eines Buches auf den Markt.
© Schwäbische Post 17.10.2011 http://www.schwaebische-post.de/579661/

Dr Ostälbler ;)


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