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Autor Thema: Seilerhaus Rossstraße 11 Aalen  (Gelesen 866 mal)
Ritter Katz
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Die Ostalb ist schön.

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« am: Juli 14, 2014, 09:41:34 »

Hallo hier ein Bericht und Bilder aus der Schwäbischen Post von
ULRIKE WILPERT   © Schwäbische Post 10.07.2014 22:09:40

Barockes Seilerhaus wird saniert




Das Gebäude der früheren Seilerei Hiermaier ist 345 Jahre alt und eines der ältesten Häuser in Aalen.

Mit 345 Jahren ist es eines der ältesten Häuser in der Aalener Innenstadt: Das Wohn- und Geschäftshaus der ehemaligen Seilerei Hiermaier in der Rossstraße 11. Seit zwei Jahren ist es in Besitz des württembergischen Notariatsassessors Patrick Kubischta. Der 32-Jährige will das Haus nun sanieren und den barocken Flair bewahren.

Aalen. 1669: In Sizilien bricht der Ätna aus und wird als historisch größter Vulkanausbruch in die Geschichte eingehen. 16 weitere Jahre sollen noch vergehen, bis der große Orgelmeister Johann Sebastian Bach in Eisenach geboren wird.
In jener Zeit hat die Stadt Aalen immer noch mit ihrem Wiederaufbau zu tun. 1634 hattenzwei junge schwedische Soldaten in der Nacht vom 5. auf den 6. September nach der verlorenen Schlacht bei Nördlingen zwei Pulverwagen mitten in Aalen in die Luft gejagt und damit den Aalener Stadtbrand ausgelöst, bei dem die meisten Gebäude in Flammen aufgingen.
Aus der Asche erhebt sich nach und nach Neues im traditionellen Fachwerkbau. Dazu zählt das Wohn- und Geschäftshaus Rossstraße 11. Rund dreieinhalb Jahrhunderte später wird das Landesdenkmalamt dessen genaues Entstehungsjahr datieren. Mithilfe der so genannten dendrochronologischen Methode nehmen Fachleute das Holz des barocken Fachwerkbaus unter die Lupe. „Auf diese Weise kann man die Jahresringe von Bäumen einer bestimmten Wachstumszeit zuordnen“, erläutert Patrick Kubischta. Vor zwei Jahren hat der Jurist das Haus Rossstraße 11 von den vormaligen Eigentümern, der Familie Hiermaier, erworben. Vermittelt hatte ihm die Immobilie Dietmar Diebold. Heute wisse man, so Kubischta, dass das Holz damals 73 Jahre alter Bäume für den Bau des Hauses im Winter 1667/68 gefällt worden ist.
Seit einiger Zeit steht das denkmalgeschützte Wohn- und Geschäftshaus leer. Nach 17 Jahren ist die Flugbörse der Firma Beck & Schubert in diesem Jahr aus den Ladenräumen im Erdgeschoss umgezogen in die Radgasse. Das erste und zweite Obergeschoss bewohnte Anna Hiermaier bis zu ihrem Tod im Jahre 2000. Die Witwe des Seilermeisters Hans Hiermaier hatte als „Zubrot“ im Erdgeschoss einen Tante-Emma-Laden betrieben. „Da gab’s alles“, erinnert sich die gemeinsame Tochter Inge Kortik. „Von Schnüren und Schmierseife über Lebensmittel, Zucker und Salz, bis hin zu Putzmittel und Bastelartikel.“ 1979 hat sie Aalens letzten Tante-Emma-Laden alter Prägung geschlossen. Derweil war die Seilereiwerkstätte – eine kleinere im zweiten Obergeschoss des Hauses und eine große Seilerbahn in der Oberen Bahnstraße zwischen dem früheren Blumen Zeller und Maler Bader – noch zwei weitere Jahre bis zum Tod des Vaters Hans Hiermaier 1981 in Betrieb. Die alten Maschinen aus der Werkstatt des Vaters haben längst ihren Weg gefunden ins Sammelsurium Museum von Petra und Klaus Wunderle in Hammerstadt.
Vor zwei Jahren haben Inge Kortik und deren Bruder Werner Hiermaier das Gebäude verkauft. Eigentümer ist seitdem Patrick Kubischta, württembergischer Notariatsassessor im Notariat Dr. Lotter in Nördlingen. Das Wiederaufrichten alter Immobilien und sie mit neuen Konzepten zu füllen, ist leidenschaftliches Hobby des 32-jährigen gebürtigen Nürtingers. In seiner Wahlheimat Aalen hat er innerhalb von wenigen Jahren bereits mehrere Gebäude erworben und grundlegend saniert. Sein jüngster Kauf ist das ehemalige Weinhaus ASA-Schmid und das ehemalige Gasthaus „Zum Hecht“.

„Die Bäume für den Hausbau wurden 1667/68 gefällt.“Patrick Kubischta

Doch zurück zur Rossstraße. Kubischtas Begeisterung für sein erstes denkmalgeschütztes Haus beginnt bereits beim Anblick der Fassade: „Der Stuck im Jugendstil ist etwa um 1900 angebracht worden“, schätzt er. Ob da bereits Clemens Hiermaier, der Großvater von Werner Hiermaier und Inge Kortik, seine Hände im Spiel hatte, ist nicht gewiss. Aber der Enkel weiß, dass sein Großvater, bis dato Seilermeister in Nördlingen, 1908 das Haus Rossstraße 11 vom Aalener Seilermeister Hans Krafft gekauft hat, die Seilerei weiterführte und im Laden Produkte der Seilerei, Samen und Kolonialwaren führte.
Das denkmalgeschützte Fachwerk verbirgt sich unter grauem Putz. Patrick Kubischta dreht den Schlüssel um im Türschloss an der Rückseite des Hauses, eine Führung durch fünf Etagen hinein in eine längst vergangene Zeit. Duster ist es. Mit Kennerblick sondiert Kubischta Typisches für die Zeit um 1900. „Damals hatte das Haus seinen ersten großen Umbau.“ Aus dieser Zeit stammen die beige-schwarzen Bodenfliesen im Schachbrettmuster hinter der Eingangstür. Oder die preußische Kappendecke im Kellergewölbe: wiederholende flache Rundgewölbe, zwischen jeweils zwei Doppel-T-Trägern aus Stahl. Das hintere Kellergewölbe, vermutet er, diente in der Zeit des Zweiten Weltkriegs als Luftschutzraum. Darauf deute der verstärkte Riegel an der wuchtigen Holztür hin und Reste einer Filzabdichtung gegen eindringendes Gas.
Das vormalige Wohnzimmer im ersten Obergeschoss gibt ein Abbild typisch bürgerlicher Wohnkultur des beginnenden 20. Jahrhunderts: ein altes Klavier, die Tapete mit ornamentalem Wanddekor. Kubischta zieht beim Eintritt durch den niederen Türrahmen den Kopf ein. In der Tür hat er eine für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts typische Schnitzerei entdeckt: Ornamente, die nach 1871 als Triumph über den Sieg im deutsch-französischen Krieg nachträglich in Türen geschnitzt wurden.
Die steilen und schmalen Treppen knarren hinauf ins zweite Obergeschoss. „Aber das Haus ist nicht baufällig, es hat keine Senkschäden und keine Risse“, versichert der neue Eigentümer. Denn nur eine solide Statik der Decke konnte die schweren Maschinen in der früheren Werkstatt aushalten. Heute findet man hier einen seltenen Schatz: drei Originalfenster mit württembergischen Beschlägen aus dem Entstehungsjahr 1669.
In den ersten beiden Obergeschossen plant Patrick Kubischta jeweils ein Ein-Zimmer-Apartment mit Kochzeile und Bad und eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad. Das doppelgeschössige Dachgeschoss will er als großzügige Galeriewohnung herrichten. „Das Bad sehe ich in der früheren Gesindekammer, vielleicht mit Eckbadewanne und Whirlpool.“

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« Antwort #1 am: Juli 24, 2014, 10:06:21 »

Nun die Bilder aus der Schwäpo. :) :)


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« Letzte Änderung: Juli 24, 2014, 10:07:53 von Ritter Katz » Gespeichert
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